Burg Ohsen
 

Burg Ohsen

Burg OhsenEine alte Sage berichtet: Karl d. Gr. und Wittekind haben hier in Ohsen Spuren der Erinnerung zurückgelassen. Es wird erzählt, der alte Turm des Amtshauses zu Ohsen sei von Karl d. Gr. angelegt, um die Sachsen hier im Zaume zu halten. In diesem Turm habe er ihren Heerführer Wittekind eine Zeitlang gefangen gehalten. Ferner sei die Kirche zu Ohsen auf Veranlassung des fränkischen Kaisers Karl erbaut. Für die treue Hilfe beim Bau der Kirche soll Karl d. Gr. selbst einen goldenen Buchstaben zurückgelassen haben, nämlich den Buchstaben X, die Zehn. Das bedeutete die Zehntfreiheit für die zunächst liegenden Ländereien der Einwohner.

Eine Beteiligung Karls d. Gr. hinsichtlich der Errichtung des fränkischen Hofes bzw. der Kirche konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Manches mag vielleicht in den Bereich der Sage gehören. So soll z.B. Wittekind nie in fränkischer Gefangenschaft gewesen sein. Einiges spricht jedoch dafür, dass Karl d. Gr. In Ohsen gewesen sein könnte. Aufgrund der vielen Jahre dauernden Sachsenkriege war er mehrmals an der Weser, besonders auch in diesem Bereich. Urkundlich belegt ist, dass er 784 einige Zeit in Lügde verbrachte. Zwar ist aus der frühen Geschichte keine große Straße im Verlauf des Emmertals bekannt, die Karl d. Gr. auf seinen Reisen oder mit seinem Heer hätte benutzen können, so waren neben Lügde jedoch noch die Burg Schieder und einige Missionsorte vorhanden, die sicherlich durch Straßen miteinander verbunden waren. Auf der östlichen Weserseite ist aus dieser Zeit eine große Straße nachgewiesen -840 urkundlich belegt-, die von Eschershausen über Börry, Latferde, den Bückeberg (Helweg) führte mit einer möglichen Fortsetzung über Ohsen, Hastenbeck, Afferde und Hilligsfeld. Außerdem gab es als weitere große Straße die "via recta“ von Coppenbrügge über Bessinghausen nach Eschershausen, die sich in Börry mit der vorher genannten Straße vereinigte. Ein 1 km langer Zuweg verband die Straßen mit der Weser bzw. der Furt. Es ist also durchaus möglich, dass die Befestigung auf dem Werder zur Sicherung des Weserüberganges bzw. des Weges diente. Die Überlieferung, dass eine fränkische Befestigung bei Ohsen in den Sachsenkriegen eine Rolle gespielt hat, könnte einen wahren Kern haben.

Zum besseren Überblick über Weser und Wege war sicherlich schon in jener Zeit ein großer Turm errichtet worden. Ob es aber schon der noch heute stehende Turm, aus Stein gebaut, war? Wahrscheinlicher ist, dass der fränkische Hof mit Holz in Fachwerkhauweise errichtet war.

Warum nun heißt der große Turm schon seit Jahrhunderten "Wittekindsturm?“ Wenn Wittekind nach der Historie nie in fränkischer Gefangenschaft war, so ist doch gesichert, dass Karl d. Gr. gegen ihn gekämpft und ihn besiegt hat. Sollte Wittekind doch in Ohsen gewesen sein? Vollkommen werden wir dieses Rätsel wohl nicht lösen können.

In der frühen Geschichte war es noch nicht so Brauch wie heute, alles schriftlich festzuhalten. Der Bezug der Burg Ohsen zu Karl d. Gr. ist durchaus wahrscheinlich. Der frühe Bau der Kirche entspricht den Bestrebungen Karls, das Sachsenland zu christianisieren. Der fränkische Hof hatte mit der Nähe zur Kirche sicherlich auch eine Schutzfunktion ihr gegenüber. In der Kirche selbst soll auch ein Chorfenster mit dem Bildnis Karls d. Gr. und dem Zusatz "Carolus  Magnus Fundator Ecclesiae in Ohsen 1160“ (Karl der Große Gründer der Kirche in Ohsen 1160) vorhanden gewesen sein. Das Datum könnte mit der Fertigung und Einsetzung des Bildes zusammenhängen. Sicher ist auch, dass mindestens die Kirchenländereien die Zehntfreiheit besaßen und auch, dass um das Jahr 1630 sich auf dem Kirchhof noch eine Rolandssäule befand, die besondere Rechte zusicherte. Roland war ein Neffe oder nach einigen Informationen ein Sohn Karls d. Gr. Außerdem könnte auch der Name "St. Peter" auf eine fränkische Gründung zurückweisen, da der Heilige Peter ein von den Franken besonders verehrter Heiliger war. Es ist daher mit sehr großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass zwischen der ersten Burg- dem fränkischen Hof- und der Kirche eine enge bzw. wechselseitige Beziehung bestand, die durchaus auf Karl d. Gr. zurückgeführt werden könnte.