Ohrberpark2


Der Ohrbergpark

Der durch seinen urwüchsigen Charaktergekennzeichnete Ohrbergpark, zwischen Ohr und Hameln gelegen, der jährlich große Besucherströme begeistert und bei vielen Interesse für Botanik und fremdländische Gehölze geweckt hat, ist ein extensiv gepflegter Landschaftsgarten im englischen Stil.

Ohrberpark1Der Park gehört zum Rittergut Ohr, das sich seit 1307 im Besitz der Familie von Hake befindet. Schon im 18. Jahrhundert wurden erste gestalterische Maßnahmen auf dem Ohrberg vorgenommen. Zu dieser Zeit verwaltete Christian Ludwig von Hake (1745-1818) den Besitz. Er bekleidete ab 1779 den Posten als Leiter des königlichen Hofbau- und Gartendepartements unter König Georg IV. Sein Hauptinteresse galt der Gestaltung der Gärten am Gutshaus, dennoch geht die Grundidee für die Anlagen auf dem Ohrbergpark wahrscheinlich auf ihn zurück. Ab 1807 war dann auch sein Sohn Georg Adolph von Hake (1779-1840) an diesen Ideen beteiligt. Georg Adolph von Hake, der 1815 das Militär verließ, ist als eigentlicher Gründer des Landschaftsgartens auf dem Ohrberg zu bezeichnen. Er wurde durch Reisen in die Schweiz und vor allem nach England mit dem Stil des Landschaftsgartens konfrontiert, was ihn schließlich bewog, Pläne für diesen Landschaftsgarten zu entwerfen und mit der Durchführung zu beginnen.

Nachdem er 1818 das Gut übernommen hatte, wollte er zunächst die Anlagen am Gutshaus und auf dem Ohrberg miteinander verbinden. Darum ließ er die an der Weser liegenden Bauernhöfe verlegen, die gesamte Fläche zwischen Gutshaus und Ohrberg planieren und mit einzelnen Bäumen bepflanzen. Mit der Ablösung der Hudeberechtigung (Waldweide) der Gemeinden Klein Berkel und Ohr auf dem Ohrberg 1817 begann dann endgültig die Anlage des Landschaftsgartens. Es wurden Freiflächen geschaffen, Einzelgehölze gepflanzt und Wege angelegt, die geschwungene Formen besaßen und sich dem Gelände anpassten. Denn typisch für den englischen Landschaftsgarten im Vergleich zu den Gärten in der Epoche des Barock war, dass an die Stelle des Typischen und Gesetzmäßigen das Individuelle trat, das von der Norm Losgelöste. Diese Gartengestaltung spiegelte die damalige Zeit wider, denn nicht umsonst hat der Landschaftsgarten seinen Ursprung in England, wo bereits im 18. Jahrhundert demokratische Regierungsformen eingeleitet wurden.

Der landschaftliche Stil zielte in erster Linie darauf ab, nach dem Vorbild der natürlichen Landschaft eine Kunstschöpfung entstehen zu lassen. Der Ohrbergpark, der nach diesem Hintergrund entstand, weist die typischen Merkmale diesem Hintergrund entstand, weist die typischen Merkmale dieses Gartens auf: tiefe Ausblicke, mit der Einbeziehung der Landschaft in den Park, ungeschnittene Bäume und Gebüsche sowie wechselnde und geschwungene Linienführung bei Gehölzrändern. 1826 errichtete Georg Adolph von Hake einen Pavillon in dem Park, der als Sommerhaus genutzt wurde und von wo aus die Bauarbeiten überwacht wurden. Heute befindet sich an dieser Stelle das Parkhaus mit dem Cafe.

Nach dem Tode von Georg Adolph 1840 übernahm Ernst Adolph von Hake den Besitz. Er galt als Pflanzenkenner und war der letzte fachkundige Gärtner der Familie. Die Vollendung des Parks ist auf ihn zurückzuführen, wobei er überwiegend nordamerikanische Gehölze verwendete, die bereits damals teilweise als recht große Exemplare importiert wurden und heute eine stattliche Größe erreicht haben. Überhaupt zeichnet sich der Park sowohl durch ansehnliche "Baumriesen", als auch durch andere botanische Besonderheiten aus. Viele Rhododendren- und Azaleenbüsche trugen ebenfalls zu der Berühmtheit dieses Parks bei. Sie sind jedoch meist noch in späterer Zeit angepflanzt worden und entfalten ihre beeindruckende Farb- und Duftwirkung in jedem Frühjahr von neuem. Ein Denkmal für seinen Vorfahren und ein Sandsteintisch, dessen Platte als ein Stück aus dem Stein gehauen und, der Erzählung nach, mit 16 Ochsen auf den Berg gezogen wurde, stammen auch von Ernst Adolph von Hake. Ihm ist auch die Öffnung des Ohrbergparks für die Öffentlichkeit zu verdanken.

Während der südliche Parkteil durch einen Wechsel von Freiflächen und Gehölzpflanzungen gekennzeichnet ist, ist der nördliche Teil in einen Wald übergegangen, der durch Hohlwege, Treppen und das lichte Blätterdach den Spaziergänger und Erholungssuchenden einzuladen vermag. Bei der gemeinschaftlich durch den Eigentümer, die Gemeinde Emmerthal, die Stadt Hameln und den Landkreis Hameln Pyrmont erfolgenden Pflege ist man bemüht, in beiden Parkteilen ein dem Charakter des Ohrbergparks entsprechendes Pflegekonzept durchzuführen.

Der Ohrbergpark, ein Landschaftsschutzgebiet, befindet sich auch heute noch im Besitz der Familie von Hake, deren Gutshaus vom Park aus zu sehen ist. Der Park ist mittels Auffahrt von der Bundesstraße 83 her oder vom Weserschiffsanleger zu Fuß über einen Treppenaufgang zu erreichen.